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Vor
einiger Zeit konnte ich im Supermarkt ein Gespräch zwischen einer
Mutter und Ihrem Sohn verfolgen. Das Kind war ungefähr im Grundschulalter
und fragte seine Mutter woher denn genau das Fleisch kommt, welches in
der Tiefkühltruhe liegt.
Meine Freundin und ich essen beide kein Fleisch
mehr, wir wissen wo das Fleisch herkommt und wie der Weg eines Tieres
bis zu uns auf den Tisch aussieht. Fairer Weise muss ich sagen, dass ich
bis vor kurzem auch noch Fleisch gegessen habe, es gab aber ein einschneidendes
Erlebnis, welches mich jetzt anders denken lässt. Im Laufe unserer
Ausbildung mussten wir beide einige Zeit auf dem Schlachthof verbringen
und so konnten wir einen genaueren Blick hinter die Kulissen werfen.
Die Schlachtzahlen auf unserem Schlachthof
betrugen ca. 600 Schweine und 100 Rinder in der Stunde.
Die Lebendbeschau, die den Anfang eines Schlachtprozesses
darstellen soll, und deren Zweck es ist, kranke Tiere zu identifizieren
um diese von der Schlachtung auszuschließen, fand nur in unzureichendem
Ausmaß statt. Beachtet wurden - wenn überhaupt - nur „tierseuchenrechtliche“
Aspekte, Zeit für eine Einzeltierbetrachtung gab es nicht, Tiere,
die offensichtlich nicht mehr in der Lage waren den Transporter selbständig
zu verlassen, wurden mit der Elektrozange aufgetrieben oder falls das
nicht mehr möglich war direkt umgebracht. Auch der Schlachtvorgang
an sich wies Defizite auf. So wurde der Bolzenschuß bei der Rinderschlachtung
unsachgemäß durchgeführt, so dass die am Band hängenden
Rinder vor dem Entbluten schlecht betäubt waren – manche gaben
sogar noch Lautäußerungen von sich. Auch die Schweinebetäu-bung
war nicht adäquat, da es sich um eine C02 Begasung handelte und die
vorgeschriebenen 30 Sekunden zwischen Betäubung und Entblutung nicht
eingehalten werden konnten. Zu bemängeln ist außerdem, dass
die Beine noch vorm vollständigen Ausbluten abgesetzt wurden.
Persönlich enttäuschend war, dass die
zuständigen Tierärzte ihr Aufgabenfeld fast ausschließlich
in der Fleischkontrolle und weniger in der Überwachung der ordnungsgemäßen
Schlachtvorgangs oder der Lebendbeschau sahen. Auch nach Aufmerksammachen
auf Missstände kamen sie der Aufgabe nicht oder nur unwillig nach.
Selbst wenn ein völlig korrekt geführter Schlachthof diese „Management-fehler“
beheben könnte, würde dies nichts an der Angst der Tiere ändern.
An dieser Stelle gäbe es von unzähligen
Situation zu berichten, wobei uns eine besonders im Gedächtnis geblieben
ist. Wenn man bedenkt welch ruhiges Gemüt Rinder haben und was sie
alles ertragen bevor sie überhaupt eine Schmerz- oder Unmutäußerung
von sich geben, und sich im Gegensatz dazu ihr Verhalten kurz vor der
Schlachtung zu Augen führt, wird einem bewusst welche Ängste
sie auszustehen haben. TODESÄNGSTE. Ich werde nie vergessen, in welcher
Panik die Rinder versucht haben kurz vor dem Betäubungsstand noch
umzudrehen und ihrem Schicksal zu entkommen. Die Rinder standen in einer
Reihe und mussten ohne Sichtschutz mit ansehen, wie ihr Vordermann betäubt
wurde, eine Schräge hinunter stürzte, an einem Hinterbein aufgehängt
wurde und der Schlachtvorgang seinen Anfang nahm. Rinder, die sich weigerten
den Stand zu betreten, wurden mit dem elektrischen Viehtreiber hineingetrieben,
Dies hatte wiederum zur Folge, dass sie panisch hineinstürzten und
versuchten auf der anderen Seite hinaus zu springen. Dass hier beim Bolzenschuß
mal nicht korrekt getroffen wird, kann man sich vorstellen…
Bei Rindern, die ruhig in der Box standen, waren lange Wartezeiten die
Regel. Der Versuch sich dem Bolzenschuß zu entziehen indem sie den
Kopf nach unten nahmen, wurde mit einem kalten Wasserstrahl unterbunden.
Wir haben beschlossen, dass kein Tier mehr für
uns sterben soll und erst recht nicht auf diese unwürdige Art und
Weise. Wir würden uns wünschen, dass mehr Leute für dieses
Thema sensibel werden, sich Gedanken machen und ihre Konsequenzen daraus
ziehen. Sicherlich würde ein Tag auf dem Schlachthof vielen verdeutlichen,
welche Qualen und Ängste hinter ihrem Stück Fleisch stecken,
welches sie so genüsslich und gedankenlos essen.
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